Ort: Köln
Zeit: etwa 1288
Stände: Bauern/Unterschicht, Adel, Klerus
Sehr gläubig
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Mittelalter
,,Und sehet, da liegt der Ort den Ihr zu erreichen gewünscht habt." Das Gespann gezogen von einem alten Ochsen, war im Begriff den Scheitelpunkt des kleinen, mit groben Steinen gepflastert Weges zu erreichen. ,,Den Weg hier haben noch die alten Römer angelegt," gab der Bauer zum Besten. Nach und nach erschien die Silhouette der Stadt. Zuerst viel mein Blick auf die noch nicht vollständige Spitze einer gewaltigen Kirche. Zumindest würde sie mal eine werden, denn nach nur wenigen Metern welche sich der Karren fortbewegt hatte, konnte man die ganzen Ausmasse des Kirchenschiffes erkennen. Der Bauer, auf dessen Gefährt Unmenge von Lebensmitteln Platz gefunden hatten, hielt sein Fahrzeug an. Mein Blick glitt entlang der gewaltigen Stadtmauer, welche unterbrochen von riesigen Wehrtürmen, mehrere stark gesicherte Pforten aufwies. Die Höhe der Mauern schätzte ich auf fast zehn Metern. Diese Stadt schien sehr darauf bedacht sich vor den Unbillen und Gefahren schützen zu wollen. ,,Si.... vistsch.... pacer para .....ach was weiss ich? Bellum...glaube ich." Der in der lateinischen Sprache nicht gebildete Mann meinte vermutlich die Weisheit " Si vis pacem para bellum." Was konnte er damit meinen? Das ich im Mittelalter gelandet war, das war mir recht schnell klar geworden. Was genau bei diesem Zeitreiseexperiment schief gelaufen war...keine Ahnung. Mein erstes Ziel musste nun sein Informationen zu sammeln. ,,Was meint Ihr damit? Etwas ungläubige schaute der Ältere mich an. ,,Ihr wisst nicht um die Ereignisse der letzten Jahre? Ihr seit ein Mann der Kirche. Ihr müsst doch wissen......?" ,,Verzeiht guter Mann das ich Euch unterbreche. Ich war die letzten Jahre im Heiligen Land. Meine Reise führte mich durch eine Zufall hier hin. Nennen wir es Gottes Fügung." Ich war schon froh das er mir abnahm das ich Mönch war. Das ich unterwegs eine Sünde begangen hatte, indem ich einem Ordensmann dessen Kutte gestohlen hatte, in dessen Stoff ich nun steckte, brachte mir hoffentlich so viel Kredit bei ihm ein, dass er mir möglichst viel erzählte. ,, Nun, dann will ich Euch erzählen was die letzten Jahre hier geschehen ist. Wie Ihr seht rüstet die Stadt sich für einen Angriff. Es fing an vor zwei Jahren. Der Neubau der Kirche verschlingt Unsummen an Geld. Der oberste Kirchenfürst , als geistiger Führer des Volkes war und ist wohl noch immer der Meinung, dass Gott dem Volk in den Mauern der Stadt nur hold ist, wenn er aus seinem Himmelsreich auf eine gewaltige Kathedrale herabschauen kann. Dazu ist ihm anscheinend jedes Mittel recht. Er erhob die Kirchensteuern auf ein Mass, welches die Kaufleute, die Patrizier der Stadt nicht mehr bereit waren abzutreten. Die Welt ist im Wandel. In anderen Städten wurde dieser schon vollzogen. Stadträte wurden dort gebildet, so hörte ich es von dem Kaufmann der auch meine Waren aufkauft. So kam es zum Streit. Der Erzbischoff wurde vertrieben aus der Stadt. Werter Bruder, nicht das Ihr glaubt wir wären nicht gottesfürchtige Menschen. So ist es nicht. Doch es kann doch nicht Gottes Willen sein, dass die Händler, die Gewerke, die Menschen ohne Ansehen seines Standes um ihr Brot fürchten müssen. Sicherlich den Händlern mag es recht gut gehen, vielleicht auch noch den Meistern ihrer Zunft, doch....was ist mit den einfachen Handwerkern? Nimmt man den Meistern der Zimmerleute mehr als den Zehnten an Steuern ab, so muss er den Lohn seines Gesellen kürzen. So dieser weniger im Beutel hat...... Ihr versteht?" Ich nickte. Das Mittelalter mit seiner damals noch existierenden Leibeigenschaft war mit Sicherheit noch schlimmer als das mir aus meiner eigentlich stammende Zeit bekannte annähernd ähnliche Vorgehensweise mit Subunternehmen. Ich versuchte mich daran zu erinnern was ich noch aus dem Geschichtsunterricht wusste. Die Kirche und mit ihnen die geistlichen Oberhäupter in Form der Erzbischöfe waren in vielen Städten mit der Oberschicht , bestehend aus Kaufleuten und Zunftmeistern aneinander geraten. Das schien hier gerade auch abzulaufen. ,,Erzählt weiter bitte." ,,Wie Ihr wünscht Bruder. Also dem Erzbischoff wurde nahegelegt die Stadt zu verlassen. Wie Ihr Euch denken könnt, suchte er Schutz bei seinem Bruder im Geiste. Mit diesem versuchte er schon sich schon zweimal wieder gewaltsam seinen Bischoffssitz zurückzuholen, doch die Versuch scheiterten. Und nun richtet man sich auf auf ein drittes Mal ein. Ich möchte Euch einen guten Rat mit auf den Weg geben. Als Mann der Kirche solltet Ihr Politik, Politik sein lassen und Euch auf die Verbreitung von Gottes Wort beschränken." Der Karren setzte sich wieder in Bewegung. Wir schwiegen eine Weile. Als wir uns dem Tor näherten fand der Bauer seine Sprache wieder. ,,Nun Bruder, da Ihr Euch nicht auskennt , setze ich Euch wohl am besten am Neubau der Kirche ab." Wir passierten das Tor und ich fühlte mich in den engen Gassen gleich unwohl. Viel zu eng standen die Holzbauten in den Nebenstrassen. Dicht an dicht, bei Feuer würde dort nicht viel zu retten sein. Der Gestank war unerträglich. Es schien auf der linken Seite das Viertel der Gerber zu sein. Es stank nach Urin. Ich hatte aus den Erinnerungen der Schulezeit noch hängen, dass man damals seinen Unrat, seine Ausscheidungen und alles was man loswerden wollte auf die mehr oder weniger Strassen warf. Allerdings jetzt und hier diesem ekelhaften Gestank ausgeliefert zu sein, dass war doch noch eine Steigerung . Als die Luft wieder besser wurde näherten wir uns dem Marktplatz. ,,Ich muss hier nach links. Dort das Lagerhaus ist mein Ziel." Er zeigte auf ein recht grosses Gebäude an dem ein Holzschild prangte mit der Aufschrift " Obst und Jemüs". ,,Ihr seit vermutlich bei Euren Brüdern am Besten aufgehoben. " Ich stieg von dem Gefährt, raffte die gestohlene Kutte dabei. ,, Trägt man diese Art von Schuhen als Geistlicher im Heiligen Land?" ,,Das ist dort so Brauch. Der Sand.....Ihr versteht?" Ich wusste nicht ob er mir diese Lüge abnahm, doch mir war bewusst, dass ich vorsichtiger sein musste in dem was ich sagte und was mein Auftreten und Benehmen betraf. Ich war hier schließlich im Mittelalter. Der Aberglaube war allgegenwärtig. Ein falsches Wort und...... Ich griff nach dem gleichfalls gestohlenen Rucksack. ,,So beschütze Euch Gott der Allmächtige, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes...Amen." Ich machte ein Kreuzzeichen in der Luft. ,,Macht es gut und......denkt daran. Haltet Euch aus der Politik raus." Er winkte mir zu und fuhr los auf die Lagerhalle zu . Ich wanderte an der Baustelle entlang, besah mir die Häuser der anderen Seite. Mit der mir viel zu grossen Kutte eines Mönches als Tarnung viel ich hier zum Glück nicht auf. Lediglich meine Kampfstiefel lugten hervor wenn meine Schritte zu gross wurden. Dann sah ich ein Schild mit der Aufschrift " Zum halven Hahn", anscheinend ein Gasthaus. Ich trat dort ein. An den Wirt gerichtet stellte ich die Frage nach einer Unterkunft, welche er mir auch in Aussicht stellte, wenn er auch irritiert schien von meinem Ansinnen.
(c)Mongrel
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